Abbruch nach Halbzeit - Wie Corona meinem Auslandssemester in die Quere kam

Auslandssemester in Südafrika

Sechs Monate hatte ich bleiben wollen. Sechs Monate, in denen ich vorhatte neben meinem Studium das Land, die Menschen und die Kulturen Südafrikas kennenzulernen. Leider war nach der Hälfte schon Schluss.

Am Anfang schien Corona wie ein weit entferntes, für meinen Auslandsaufenthalt unrelevantes Problem. Der Virus hatte sich in Asien und Europa ausgebreitet und ich war ja immerhin in Afrika - dachte ich. Weder meine Kommilitonen noch ich hatten die Entwicklungen wirklich ernst genommen, bis am 15. März 2020 der südafrikanische Präsident, Cyril Ramaphosa, den nationalen Katastrophenzustand ausgerufen, die Grenzen geschlossen und neu ausgestellte Visa zurückgerufen hat. Kaum zwei Tage später sind die meisten meiner ausländischen Freunde bereits aus dem Land geflüchtet. Für mich waren die folgenden Tage ein ständiges Auf- und Ab: Sollte auch ich heimreisen oder bleiben? Niemand konnte mir darauf wirklich eine Antwort geben - weder die deutsche Botschaft in Kapstadt noch meine südafrikanischen Kommilitonen oder Dozenten. Meine Familie wollte mich natürlich zurück in Deutschland und somit in „Sicherheit“ wissen. Alle wollten mir helfen, doch keiner konnte es.

Als dann eine Woche später eine offizielle Ausgangssperre für das ganze Land verhängt wurde, stand fest, dass auch ich zurück nach Hause fliegen sollte. Allerdings gab es da schon keine regulären Flieger mehr, die mich hätten nach Hause bringen können.

Es ein paar Wochen alleine in meiner Wohnung in Südafrika aushalten zu müssen, wäre mir egal gewesen. Allerdings war zu dem Zeitpunkt nicht abzusehen, inwiefern ich meine Sicherheit gefährden würde, wenn ich bliebe. Sobald die Ausgangssperre erst einmal greifen würde, wären unzählige Menschen arbeitslos. Für zum Beispiel Tagelöhner, würde jegliches Einkommen wegfallen. Was hat das in einem Land mit einer derartig gespaltenen Gesellschaft wie Südafrika für Auswirkungen? Auf diese Frage konnte ich keine wirkliche Antwort finden. Riskieren wollte ich es aber nicht.

Gemeinsam mit einer deutschen Freundin habe ich mich dann in die Rückholliste der Botschaft eingetragen und bin mit ihr für den Lockdown zu einer befreundeten Südafrikanerin gezogen, die uns dankenswerterweise bei sich aufgenommen hat. So konnten wir die Zeit der Ausgangssperre in einem schönen Haus mit Garten und Pool verbringen, anstelle uns 24/7 in meiner kleinen Wohnung aufhalten zu müssen. Das war unglaublich wertvoll. Während sich Zuhause also alle Sorgen um mich gemacht haben, weil sie in den deutschen Medien „so schlimme Aufnahmen aus den südafrikanischen Armenvierteln gesehen haben“, konnten meine Freundin und ich uns entspannt im Garten sonnen. Zum hundertsten Mal seit meiner Ankunft in Kapstadt wurde mir klar, wie privilegiert ich bin.

Nachdem meine Freundin schon vier Tage vorher abgereist war, konnte auch ich am 13. April zurück nach Deutschland fliegen. Gemeinsam mit allen anderen Passagieren habe ich mich an einem Sammelpunkt in der Stadt getroffen, von dem wir anschließend mit Bussen zum Flughafen gebracht wurden. Es wurden Masken und Handschuhe verteilt. In den Bussen hatten alle zwei Plätze für sich alleine. Das Flugzeug war voll besetzt. Der Junge neben mir hat gehustet. Zwölf Stunden später war ich zurück in Deutschland.

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