Auslandssemester in Schottland und Corona-Krise: Surreal!

Ende Januar 2020: Erst in den letzten Tagen vor meiner Abreise wurde mir bewusst, was für ein großer Schritt mir da bevorstand - ein ganzes Semester an der Robert Gordon University in der Küstenstadt Aberdeen in Schottland! Während der vielen Vorbereitungen war es immer nur eine vage Vorstellung, aber nun wurde es langsam ernst und schon saß ich voller Vorfreude und einer guten Prise Nervosität im Flieger gen Norden.

Nach meiner Ankunft bezog ich ein kleines, aber feines Zimmer in einer WG im Studentenwohnheim Woolmanhill. Dafür hatte ich allerdings gar nicht so viel Zeit, da ich schon am selben Tag eine kleine Campusführung vor mir hatte: die beste Gelegenheit, um schon so früh wie möglich die Uni kennenzulernen und vielleicht sogar neue Kontakte zu knüpfen! Und siehe da, bei der Campustour traf ich tatsächlich einige Erasmusstudierende und wir nahmen uns alle vor, das Beste aus unserem Aufenthalt hier in Aberdeen zu machen. In den nächsten Tagen lebte ich mich immer mehr ein, gewöhnte mich an die neuen Arbeitsmethoden der Uni und traf viele, viele nette Leute. Besonders die Erasmusstudierenden schloss ich schon ganz bald in mein Herz: Wir waren eine wild zusammengewürfelte Bande aus vielen verschiedenen Ländern und in unserer freien Zeit erkundeten wir die Stadt, veranstalteten Spiele- und Kochabende und trafen uns sehr stilgerecht zum Karaoke im Pub. Die Wochenenden wurden meist für längere Reisen genutzt, um weitere Städte und Regionen in Schottland zu besuchen und kennenzulernen. So kamen in Kürze auch noch Städtereisen, lange Wanderungen und neue Entdeckungen zu den schönen Erinnerungen hinzu. Wir hatten in zwei Monaten bereits viel erlebt, freuten uns aber auf mehr: unsere Reiseplanungen erstreckten sich sogar schon bis zum Mai.

So sollte es jedoch leider nicht kommen. In den ersten Wochen merkte ich zunächst eher wenig von der Ausbreitung des Coronavirus, welches zwar manchmal Gesprächsthema war, aber nie als eine wirkliche Bedrohung wahrgenommen wurde. Im Laufe der Zeit wurde das Thema jedoch immer präsenter. Bei meinen Anrufen nach Hause erfuhr ich von der Situation in Deutschland: Während man in Schottland noch eher entspannt auf das Thema blickte, wurden in Teilen Deutschlands schon viele Maßnahmen zur Dämmung des Virus eingeleitet. Unsere kleine Gruppe war aber überzeugt, dass unser Auslandsaufenthalt nicht von dem Virus beeinflusst werden würde.

Die traurige Wendung kam während unserer Edinburgh-Reise. Wir verbrachten gerade einige Tage in der charmanten Hauptstadt Schottlands, als die ersten Grenzschließungen angekündigt wurden und einige Erasmusstudierende eine Benachrichtigung ihrer Uni mit der Forderung bekamen, sofort abzureisen und nach Hause zu kommen. Ab dem Zeitpunkt fühlte sich die ganze Situation dann sehr surreal an: Wir wussten, dass dieser Virus sich schnell ausbreitete und es mittlerweile schon viele Krankheitsfälle gab, konnten aber nicht fassen, dass damit unser Auslandssemester zu Ende sein würde. Und so kehrten in den darauffolgenden Tagen bereits die ersten nach Hause zurück. Auch die Uni wurde geschlossen. Zunächst weigerte ich mich, an eine sofortige Rückreise zu denken, doch besonders der Anblick des Studentenwohnheims machte mir schnell die Realität klar: Immer mehr Studierende reisten ab und der einst so lebendige Wohntrakt wirkte leer und traurig. Als dann auch meine Freunde beschlossen zu gehen, war es für mich auch Zeit, schweren Herzens von dem Auslandssemester in Schottland Abschied zu nehmen.

Nun bin ich zurück in Deutschland und nehme weiterhin an den Onlinekursen der RGU teil. Trotz der unvorhersehbaren Situation hat die Universität es sehr schnell geschafft, ein breites Online-Angebot für die Studierenden einzurichten, was wirklich super ist. Ich bin zwar sehr traurig, dass das Auslandssemester durch den Virus ins Wasser gefallen ist, bin aber trotzdem dankbar für die schönen und einzigartigen Erinnerungen, die ich in diesen zwei tollen Monaten in Aberdeen sammeln konnte. Und: Unsere kleine Gruppe bleibt immer noch in Kontakt und wir sind uns alle einig, dass es auf jeden Fall ein Wiedersehen geben muss, sobald alles endlich wieder zum Alltäglichen zurückkehrt.

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