Mein Auslandssemester mit Covid-19 in Südkorea

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welcome to Gangnam!
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Campus
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Suwon Hwaseong Fortress
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Meine Aussicht aus dem International Dormitory
Meine Aussicht aus dem International Dormitory

Am 13.03.2020 war es endlich soweit, mein Auslandssemester in Südkorea sollte endlich starten! Die Wochen vor meiner Abreise waren für mich etwas nervenraubend. Die Corona Situation in Südkorea habe ich täglich verfolgt und gehofft, dass sich die Situation nicht weiter verschlimmert. Ich befürchtete, dass das Auswertige Amt eine Reisewarnung ausspricht, was zur Aufhebung des Hin-und-Weg Stipendiums führen und somit das Ende meines Auslandssemesters bedeuten würde.

Auf dem Weg zum Flughafen habe ich von einem kurz vor mir anreisenden Kommilitonen die Information erhalten, dass wir uns direkt nach unserer Ankunft in Quarantäne begeben müssen. Was das genau bedeutet, konnte er mir zu dem Zeitpunkt aber auch noch nicht genau sagen.

Am International Airport in Seoul angekommen, erfolgte zunächst ein Temperaturcheck. Ich erhielt mehrere kleine Zettel zum Ausfüllen zur Abfrage meiner persönlichen Daten und meines Gesundheitszustands. Um einreisen zu dürfen, musste ich mir zusätzlich eine App herunterladen die meinen Standort trackt und mich die nächsten 14 Tage täglich auf mögliche Corona-Symptome abfragt.

Auf den Campus der Ajou Universität angekommen, bin ich auf direktem Weg in das Wohnheim in der Hwahong Hall anstelle des International Dormitorys gegangen, so wie es mir kurz vorher per Mail mitgeteilt wurde. Ich wurde von Kay der Dormitory Coordinatiorin empfangen, die nochmals meine Temperatur gemessen hat (wie auch die nächsten 14 Tage zweimal täglich). Die nächsten 14 Tage habe ich schließlich mit 13 weiteren exchange Studenten in der Hwahong Hall verbracht. Es handelt sich um ein altes Wohnheim, welches bei weitem nicht so viel Komfort wie das International Dormitory bietet, aber es ist ok. Wir bekamen bei der Ankunft ein kleines Willkommenspaket mit Desinfektionsmittel, Masken und einiges an Süßigkeiten. Wir wurden mit Cornflakes und etwas Obst ausgestattet und bekamen zweimal täglich Essen gebracht (Burger, Subway, Gimbab, Bibimbab oder andere nationale und internationale Gerichte).

Auf meiner Seite des Flures waren fast ausschließlich Deutsche, wir haben uns alle sehr gut verstanden und hatten trotz der Quarantäne viel Spaß zusammen und erste Freundschaften sind entstanden. Kay und die Mitarbeiter des International Office standen uns immer für Fragen zur Verfügung. Auch wenn die Antworten teilweise nichtssagend und nicht wirklich hilfreich waren (z.B. in Bezug auf unsere Reisefreiheit nach der Quarantäne), würde ich Rückblickend sagen, dass die Quarantäne wirklich hätte schlimmer sein können.

Am 29.03.2020 hatten wir dann endlich unseren finalen Temperaturcheck. Wir wurden von Kay verabschiedet, durften die Quarantäne verlassen und konnten umziehen in das International Dormitory. Wir wurden gebeten vorsichtig zu sein und vorerst nicht zu reisen. Um das Glück nicht zu sehr herauszufordern, verbrachte ich die nächsten Wochen auch ausschließlich in Suwon und bin gelegentlich nach Seoul gefahren. Da die Vorlesung bisher nur online und in Form von Livestream oder Videouploads stattfinden, sind die meisten Koreaner zu Hause und auf dem Campus ist nicht wirklich viel los. Die Regierung hat sämtliche öffentliche Veranstaltung untersagt, worunter auch die Begrüßungsveranstaltung der exchange Students, sowie andere Events der Universität fallen.

Bereits bei meiner Ankunft in Korea ist mir aufgefallen, dass in Korea teilweise sensibler auf das Thema Corona reagiert wird, als es in Deutschland der Fall ist. Jeder trägt eine Maske und man findet Desinfektionsmittel in öffentlichen Verkehrsmitteln, an öffentlichen Plätzen und in den Eingängen von Malls (wo sich häufig auch Wärmekameras zum Temperaturcheck befinden). Mindestens einmal täglich erhalte ich einen Notfall Alarm auf mein Handy, mit Informationen über neue Bestätigte Corona Fälle und die Regionen in der sie aufgetreten sind. In Bussen und auch an Orten, wo neue Corona Fälle gemeldet wurden findet man häufig Hinweisschilder, dass die Gegend frisch Desinfiziert wurde.

Während sich Deutschland im Lockdown befindet, ist meine Bewegungsfreiheit dank zahlreicher Präventionsmaßnahmen nicht wirklich eingeschränkt. Clubs sind zwar geschlossen, aber Malls, Restaurants, Saunen und Bars sind geöffnet. Da die meisten meiner Vorlesung als Videouploads stattfinden, konnte ich meine Freizeit bisher ziemlich gut selbst gestalten. Gemeinsam mit anderen Austausch Studenten erkundete ich Suwon und Seoul, wir gingen essen, besuchten einige der ausgefallenen Theme-Cafés und verbrachten viel Zeit mit shoppen, wandern und dem testen der ein oder anderen Bar.

Zum ersten Mai Wochenende hin erlaubte die Koreanische Regierung wieder Clubs zu öffnen, was ein Fehler gewesen ist, wie sich herausstellte. Die Zahl der Corona Fälle ging bis zu diesem Tag kontinuierlich zurück. Aufgrund des Besuchs von einer mit Corona infizierten Person in mehreren Clubs an dem Wochenende, gab einige neue Fälle im Seouler international Party Distrikt Itaewon, welchen ich und einiger meiner Freunde an dem Wochenende ebenfalls besucht haben. Nach Bekanntgabe der Fälle in Itaweon hat die Ajou Universität sehr schnell reagiert und darum gebeten, dass sich alle Studierenden, die sich an dem Wochenende in Itaweon aufgehalten haben, melden sollten. Wir mussten Zeitpunkt und den Namen der Bars, welche wir an dem Wochenende besucht haben angeben, was dann mit den Daten der Bestätigten Fälle abgeglichen wurde. Aufgrund der weiterhin ansteigenden Anzahl der Fälle entschied die Regierung einige Tage später, dass alle Itaewon Besucher sich auf Corona testen und in Quarantäne begeben müssen. Da wir alle keine Symptome hatten, wollte uns das Personal im Ajou-University Hospital jedoch nicht testen. Das International Office hat uns die Suche nach einem Krankenhaus zum Testen abgenommen und wir konnten nach einen Tag in Quarantäne zu einem Krankenhaus für den Corona-Test fahren. Einen weiteren Tag später erhielten wir schließlich alle unseren negativen Testergebnisse.

Die Situation ist nun wieder etwas angespannt und ich habe meine Pläne nach Busan zu fliegen dieses Wochenende erstmal gestrichen. Seitens der Ajou war eigentlich geplant, dass wir ab dem 01.06.2020 mit den Face-to-Face Vorlesungen beginnen, daran glaube ich aber aktuell aufgrund des Anstiegs der Corona Fälle nicht.

Durch die Erfahrung die ich hier bisher gemacht habe, bin ich optimistisch und hoffe, dass sich die Situation hier bald wieder etwas beruhigt und so wird wie vor 2 Wochen (oder besser). Auch wenn es wenige Einschränkungen gibt und die sehr beliebten und wie mir gesagt wurden super Events der Ajou University nicht stattfinden und die Campus Erfahrung hier vor Ort nicht so ist, wie sie vielleicht hätte sein können, bin ich sehr froh hier zu sein. Trotz der Einschränkungen hier, hatte ich bisher eine Wunderbare Zeit und eine Menge Spaß. Die hälfte des Semesters ist nun um, ich bin dankbar für die Erfahrung die ich bisher machen konnte und freue mich tierisch auf das, was noch kommen wird.

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