Wanderlust

Erfahrungsbericht: Auslandssemester Schweden

Allgemeine Daten

16.01.2017 - 04.06.2017
Schweden
Borås
Vedensgatan 3

Art des Aufenthalts

Praktikum Auslandssemester Kurzaufenthalt Abschlussarbeit

Hochschule / Betrieb im Ausland

Högskolan i Borås

Studiengang

Visuelle Kommunikation in Hannover/ Textildesign in Borås

Vor meiner Abreise

Wie war die Praktikums- / Studienplatzsuche?

Bei meiner Bewerbung für das Erasmus Auslandssemester habe ich nur eine Universität angegeben - die Swedish School of Textiles in Borås. Ich wollte unbedingt an diese für Textildesign bekannte Uni und nach Schweden. Ich hatte großes Glück, dass ich in diesem Semester die Einzige war, die sich von der Hochschule Hannover dort bewarb. Durch meinen Studiengang Visuelle Kommunikation hätten die Modestudenten der Hochschule Hannover bei der Bewerbung Vorrang gehabt. Verwirrung meinerseits sorgte dafür, dass ich dachte, die Zusage der Hochschule Hannover würde den sicheren Platz in Borås bedeuten - den dortigen Bewerbungsprozess sah ich als Formalie an. Bis ich 2 Wochen vor der Bewerbungsdealine feststellen musste, dass ich ein Portfolio mit meinen Arbeiten einreichen muss - dass darüber entscheidet, ob ich den Platz in Borås bekomme. Die Panik war groß, da ich keinerlei Erfahrungen mit Textil Design hatte. Irgendwie schusterte ich mir ein Portfolio mit meinen Grafikdesign-Arbeiten zusammen und erhielt dann, die Freude war riesig, einen Platz an der Universität in Borås. Als ich dort ankam und mit Kommilitonen sprach wurde mir erst bewusst, was für ein Glück ich hatte: wie viele Portfolios abgelehnt wurden und dass es in diesem Jahr sogar nur 2 freie Plätze für international Students in Textil Design gab.

Wie war die Zimmer-/Wohnungssuche?

Leicht Mittel Schwer

Meine Unterkunft war...

von Privat Studentenwohnheim Eigene Wohnung Wohngemeinschaft

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft

Die Hochschule in Borås schickte eine Mail mit Privatpersonen, die ihre Zimmer oder Apartments vermieten. Allgemein informierte die Hochschule viel über Unterkunftsmöglichkeiten und kümmerte sich super um die Unterbringung der international students. In der Mail mit den Privatpersonen waren auch der Preis und die Adresse sowie die Kontaktdaten der Vermieter angegeben. Ich schrieb fast allen von der Liste eine Mail, in der ich mein Interesse an den Zimmer mitteilte und bekam sehr schnell Antworten. Eine Wohnung hatte es mir besonders angetan, da die Lage ideal war, das Haus und die Zimmer sehr schön aussahen, man mit anderen Studenten zusammen leben würde, der Preis okay war und auch die Vermieter sehr nett schienen. Die Betonung liegt auf schienen. Nach einem Skype-Date hatte ich das Zimmer sicher. Leider stellte sich die Unterkunft nicht als so ideal wie gedacht heraus. Die Zimmer und die Lage waren wirklich toll, genauso wie meine wunderbaren Mitbewohnerinnen/ jetzt sehr enge Freundinnen. Aber die Vermieter, die in der Wohnung unten drunter lebten waren eine Katastrophe. Sie konnten ohne Anmeldung und nicht einmal Klopfen zu uns in die Wohnung herraufkommen, ein wirklich ruhiges Abendessen mit 4 Leuten galt als Party - die verboten waren, Gäste wurden nicht gerne gesehen, für Übernachtungsgäste musste man sich eine Erlaubnis einholen. Schönes Haus und tolle Lage, die Vermieter aber komplett meschugge - daher würde ich von dieser Unterkunft in der Vedensgatan 3 in Borås vollster Überzeugung abraten.

Finanzen und Versicherungen

Welche Versicherungen hast Du vor der Reise abgeschlossen?

Kranken- und Haftpflichtversicherung
Reiseversicherung
Unfallversicherung

Möchtest Du etwas zu den Versicherungen anmerken?

Ich habe vor meiner Reise keinerlei Versicherungen abgeschlossen. Ich meine mich zu erinnern, das ich geplant hatte für die Unterkunft in Schweden eine Haftpflicht Versicherung abzuschließen. Irgendwie habe ich das dann aber aus den Augen verloren und keine abgeschlossen - und zum Glück ist nichts weiter passiert.
Meine Krankenkasse habe ich informiert, dass ich mich jetzt im Ausland aufhalte aber durch die europäische Gesundheitskarte keine Extra-Versicherung für den Auslands-Aufenthalt abgeschlossen.

Wie lief es mit den Finanzen?

Die Miete in Borås war etwas teurer als die, die ich in Hannover zahle, durch das Erasmus Stipendium und die Unterstützung meiner Eltern aber vollkommen möglich. Im ersten Monat an der Swedish School of Textiles dachte ich, das es mit dem Geld etwas knapp wird. Wir hatten zwei Workshops, für die wir Unmengen an Material: Stoffe, Papier sowie Zeichenmaterial und Bastelkram anschaffen mussten. Leider sind diese Sachen in Schweden deutlich teurer. In den Kursen danach musste dann zum Glück nicht so viel angeschafft werden. Und die Preise für Siebdruckfarben, Transfer-Print-Papier oder Stoffe sind in der Hochschule in Borås super studentenfreundlich. Das Essen im Supermarkt war minimal teurer als in Deutschland, aber das war vollkommen im Rahmen. Nur das Auswärts Essen oder Trinken gehen ist in Schweden deutlich teuer, aber darauf wurde dann einfach die meiste Zeit verzichtet.

Art der Finanzierung

Stipendium
Eltern/Familie
Ersparnisse
Darlehen
BaföG

Wie waren die Lebenserhaltungskosten?

Wie bereits oben beschrieben, waren die absolut im Rahmen. Besonders Essen gehen oder Alkohol ist in Schweden teurer, aber auch das ging irgendwie. Kleiner Tipp für Alle, die nach Borås gehen: Im Balder-Restaurant in Uni-Nähe gibt es für umgerechnet ungefähr 6,50 Euro super lecker gekochtes Mittagessen mit toller Salat-Bar. Und die Portionen sind so groß, dass man sich als armer Student die Hälfte einfach mit Hause nehmen kann, um Abends nochmal davon zu essen. Auch der Thailänder um die Ecke macht hervorragendes Essen zum gleichen Preis und genauso großen Portionen - wer also keine Lust hat, immer selber zu kochen wird hier bestens versorgt.

Unterkunft im Monat (ca.)

410

Verpflegung im Monat (ca.)

200

Freizeit im Monat (ca.)

100

Sonstiges

100

Während meines Aufenthalts

Die üblichen Formalitäten...

Ich habe weder ein eigenes Bankkonto eingerichtet, noch habe ich mich beim Bürgeramt in Borås angemeldet. Auch meinen deutschen Handyvertrag ohne Auslandsinternet habe ich behalten - und das war vollkommen okay so, den in Borås und Schweden im Allgemeinen gibt es fast überall WLAN.

Kurzbeschreibung zur Hochschule/Einrichtung...

Die Hochschule in Borås ist riesig, absolut schnieke durchgestylt und erinnert mehr an ein modernes Museum - das in ein altes Fabrikgebäude eingezogen ist - als an eine Universität. Es gibt super viele gemütliche Sitzgelegenheiten, ein Restaurant und ein Cafe, eine wunderschöne Dachtrasse und sogar einen Mikrowellenraum mit Kühlschrank: zum Mittagessen warmmachen, dass sich die meisten Studenten von zu Hause mitbringen. Aber noch viel wunderbarer als das sind die kreativen Möglichkeiten, die sich einem dort bieten: Im Printing oder Weaving Lab, im Knitting und im Media Lab. Nach einer Einführung kann man selbstständig, ohne Aufsicht in der Hochschule und in den Laboren arbeiten, bis 00.00 nachts und auch am Wochenende. Ein Traum für alle Kreativen! Riesige Siebdrucktische, tolle Siebdruckfarben, ein Digitaler Drucker für Stoffe, ein Plissier-Ofen, mechanische und Hand-Webstühle, Tausende Arten von Garn die einem zu niedrigen Preisen zur Auswahl stehen und tolle Tuftmaschinen. Das selbstständige Arbeiten in Borås war ganz wunderbar und ich war noch in keiner Hochschule, die so schön und dazu unglaublich gut ausgestattet ist.

Tätigkeiten / Inhalte / Lehrveranstaltungen deines Praktikums / Studiums /etc.

Ich hatte diverse Veranstaltungen rund um das Thema Textil Design. Das ich in diesem Bereich keinerlei Erfahrungen hatte, war überhaupt kein Problem (das hatte ich zuvor befürchtet). An der Uni hatte ich insgesamt 4 Kurse die nicht parallel liefen sondern nacheinander. Im Ersten Kurs ging es um Dreidimensionale Muster-Erstellung und das Experimentieren mit Stoff. In diesem Kurs hatten wir zu Beginn Workshops mit verschiedenen Dozenten und setzten am Ende ein eigenes großes Projekt um. Dieser erste Kurs war super stressig. Neu für mich war, dass man seine Arbeiten jedes Mal vor Anderen detailliert präsentiert und diskutiert - das war anstrengend aber dadurch habe ich super viel dazugelernt. Der zweite Kurs war ein Theorie Kurs, in dem wir zu einem relativ frei gewähltem Thema einen Essay auf Englisch schreiben mussten und innerhalb des Kurses einen Study-Visit nach Stockholm machten, um uns alte chinesische Textilien anzugucken. Der dritte und vierte Kurs waren miteinander gekoppelt, etwas weniger gut organisiert als die vorherigen und nicht ganz so stressig. Wir entwarfen Muster, bespannten einen Webstuhl in 2erGruppenarbeit mit einem Selbst-entworfenen Weave Pattern, woben experimentelle Muster-Webstücke und bedruckten diese dann im Digital und Transfer-Druck Verfahren. Nachdem das Semester vorbei war baten Kommilitonen und Ich noch um eine Tuft-Einleitung - die wir freundlich bekamen. So konnte ich zu Beginn der Semesterferien noch zwei eigene Teppiche designen/tuften. Ingesamt habe ich sehr viel dazu gelernt und unglaublich tolle Techniken in Borås erlernt. Die meisten Dozenten oder Technicians waren freundlich und hilfsbereit und an der Swedish School of Textiles herrscht eine tolle Arbeitsatmosphäre.

Wie war der Kontakt zu Kommilitonen/Arbeitskollegen/Einheimischen?

Wir hatten 2 Kurse mit den schwedischen Studenten und die restlichen nur unter uns 6 international students of textile design. Die schwedischen Studentinnen an der Hochschule in Borås haben mich zutiefst beeindruckt: super kreativ und ehrgeizig haben sie Stunden um Stunden in der Uni verbracht, unter der Woche sowie am Wochenende. Und waren neben den tollen kreativen Leistungen noch super sympathisch. Den engsten Kontakt hatte ich jedoch zu den Anderen international Students, von denen 3 sehr gute Freundinnen von mir geworden sind. Kontakt zu Einheimischen hatte ich auch, da ich einmal die Woche zum roten Kreuz Treffen gegangen bin. Dort wurde mit Schweden, Immigranten und Flüchtlingen Schwedisch gesprochen, Politische Themen diskutiert und jede Menge Kaffe getrunken - und lecker Kuchen gab es auch. Durch das rote Kreuz treffen habe ich ganz andere Leute kennen gelernt, als nur Studenten: aus jeglichen Ländern, in den unterschiedlichsten Altersklassen und verschiedener Glaubensangehörigkeiten.

Was hast Du in deiner Freizeit gemacht?

In unserer Freizeit gingen wir gerne auf kleine Shoppingtouren - in Borås gibt es gelegentlich große Lagerverkäufe von Modehäusern, bei denen man richtige Schnapper machen kann. Am häufigsten waren wir jedoch in den 2 großen Second Hand Läden der Stadt - die im Vergleich zu anderen Städten in Schweden nicht sooo super sind, aber ab und zu findet man dort tolle Kupfersachen, ausgefallene Kleidung oder schönen Schmuck. Einmal die Woche waren wir mindestens feiern, in einem der drei Clubs der Stadt. Fast jeden Donnerstag waren wir im X&Y, einem Club, wo an Donnerstagen freier Eintritt für Studenten ist. Am Wochenende waren wir auch mal in Göteborg und einen Trip nach Kopenhagen haben wir auch gemacht - ist nicht weit weg und super schön. Am Ende des Semesters habe ich mit meiner Mitbewohnerin noch einen 3,5 Wochen Roadtrip durch Schweden gemacht, um all die tollen Städte und die schöne Natur zu sehen - was während des Semesters zeitlich nicht möglich war. In Borås an sich ist nicht viel los, ja es gibt 3 Clubs und ein paar wenige Cafés, aber da wir die meiste Zeit in der Uni waren war das vollkommen okay und wir hatten genug Abwechslung in unserer Freizeit. Das aller beste war der Gang zur Sauna, mindestens einmal die Woche: kostet nur 4 Euro und die Sauna liegt direkt an einem See, zu dem wir innerhalb von 30 Minuten zu Fuß gegangen sind. In der Sauna war man meistens alleine, mit Blick auf den See, musste selber das Feuerholz nachlegen und dann, nach jedem Sauna-Gang, einmal in den See springen (auch bei zugefrorenem See im Winter). Eine so schöne Sauna besucht man selten, und somit war das unsere beliebteste Freizeitaktivität!

Nach meiner Rückkehr

Fazit und besondere Erlebnisse

Das Auslandssemester in Schweden war toll. Es ging nicht, wie bei sicherlich vielen Erasmus-Semestern nur darum, möglichst viel zu feiern und zu entspannen. Es ging darum, viele neue Inhalte und Techniken zu Erlernen - und dazu natürlich Land, Leute und Kultur in Schweden kennenzulernen. Ich hatte viel von dem Semester in Borås erwartet, aber meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Ich habe einen intensiven Einblick in den Studiengang Textildesign bekommen und viele neue Techniken und kreative Arbeitsweisen kennen gelernt. Dazu habe ich tolle Orte in Schweden gesehen und wunderbare Leute kennen gelernt. Mein Auslandssemester in Schweden war toll und es fiel wirklich nicht leicht, wieder zurückzukommen.

Wie klappte es mit der Anerkennung der Leistungen für das Studium an der HsH?

Da ich vor dem Antritt des Auslandssemesters bereits alle Credits für den Bachelor gesammelt habe - ich habe das Erasmus Semester in meinem 9. Semester gemacht, also sozusagen hinten drangehangen - ging es bei mir nicht um eine Anerkennung der Leistungen. Natürlich habe ich trotzdem alle erforderten Credits erreicht.

Welche weiteren wichtigen Hinweise hast Du für zukünftige Studierende?

Denkt auf jeden Fall während eures Auslandssemester daran, ein aktualisiertes Learning Agreement - During the mobility - auszufüllen und unterschreiben zu lassen. Das habe ich leider komplett vergessen und es macht die ganze Sache etwas komplizierter. Sonst habe ich keinerlei Hinweise, außer den, dass ihr ein Auslandssemester unbedingt machen solltet, wenn ihr die Chance dazu habt! Und das die kleine aber feine Stadt Borås dafür ein toller Ort ist.

Wie wirkt sich dein Aufenthalt auf den weiteren Werdegang und die Pläne für weitere Auslandsaufenthalte aus?

Da mir mein Auslandaufenthalt so gut gefallen hat, überlege ich auch einen Master im Ausland zu machen. Ganz vielleicht in Borås oder aber in Kopenhagen, da ich die Stadt so klasse fand.. Falls ich mich gegen einen Master entscheide, werde ich mich auf jeden Fall nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schweden und Dänemark auf Grafiker-Jobs bewerben. Durch den Einblick in die Studienrichtung Textil Design habe ich meine Kompetenzen erweitert und viel dazu gelernt. In meinem beruflichen Werdegang könnte ich mir eine Kombination der beiden Themengebiete, Grafik und Textildesign äußerst gut vorstellen.

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