Wanderlust

Erfahrungsbericht: Auslandssemester Indien

Allgemeine Daten

25.12.2017 - 11.05.2018
Indien
Ahmedabad
National Institute of Design

Art des Aufenthalts

Praktikum Auslandssemester Kurzaufenthalt Abschlussarbeit

Hochschule / Betrieb im Ausland

National Institute of Design

Studiengang

Exhibition and Spatial Design

Vor meiner Abreise

Wie war die Praktikums- / Studienplatzsuche?

Ich wollte ziemlich gerne zum Studieren nach Indien und habe zwei Jahre zuvor bei einer Reise durch Indien eine Innenarchitekturstudentin aus Hannover am NID in Ahmedabad besucht und so schon einen ersten (schönen) Eindruck des Campus bekommen. So fiel mir die Entscheidung schlussendlich nicht schwer, mich am NID zu bewerben.
Die Bewerbung hat dann aber doch einige Zeit (und vor allem Formulare) in Anspruch genommen, was mich überrascht hat, da ich dachte, die Wege bei einer Partnerhochschule wären schon geebnet; das waren sie kaum und sehr vielen Informationen musste man mehrfach 'hinterherrennen' oder intensiv recherchieren.
Aber so ist die indische Bürokratie nunmal. Damit muss man sich schlicht und einfach abfinden.

Wie war die Zimmer-/Wohnungssuche?

Leicht Mittel Schwer

Meine Unterkunft war...

von Privat Studentenwohnheim Eigene Wohnung Wohngemeinschaft

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft

Bevor wir in Indien waren, wurde uns Austauschstudenten gesagt, dass in diesem Jahr auf dem Campus nicht genügend Unterkünfte zur Verfügung stünden, sodass wir uns außerhalb des NID eine Wohnung würden suchen müssen.
Ich wartete erstmal ab, wie sich die Dinge vor Ort entwickeln würden, und schließlich gab es für uns doch Zimmer im Hostel auf dem Campus, in denen wir zu dritt wohnten. Angeblich ist das häufig so, dass sie anfangs sagen, es gebe Platzprobleme, und sich am Ende doch ein Bett für jeden findet.
Da muss man einfach Ruhe bewahren und abwarten.

Finanzen und Versicherungen

Welche Versicherungen hast Du vor der Reise abgeschlossen?

Kranken- und Haftpflichtversicherung
Reiseversicherung
Unfallversicherung

Wie lief es mit den Finanzen?

Indien ist im Alltag sehr günstig. Ein leckeres Thali (Mittagessensteller) bekommt man für etwa einen Euro. Selber einkaufen und kochen wird leider teurer.
In den touristischen Gebieten sind die Preise sehr viel teurer. Ich bin zwischendurch sehr viel gereist und habe vor allem für Busse und Inlandsflüge (weil die Entfernungen so groß sind und die Zeit so kurz war) viel Geld ausgegeben.

Art der Finanzierung

Stipendium
Eltern/Familie
Ersparnisse
Darlehen
BaföG

Unterkunft im Monat (ca.)

40€

Verpflegung im Monat (ca.)

150€

Freizeit im Monat (ca.)

100€

Während meines Aufenthalts

Die üblichen Formalitäten...

Am Anfang muss man sich beim Police Office registrieren. Dafür braucht man einen riesigen Stapel Unterlagen und Passfotos, aber Catherine (Zuständige für die Internationals am NID) hilft dabei. Passfotos und indische Simkarte kann man sich ziemlich einfach am Paldi Cross besorgen. Auch für die Simkarte braucht man Pass, Visum, Passfotos.
Bei Fragen einfach indische Studenten ansprechen, die sind super hilfsbereit, nur manchmal zu schüchtern, um von sich aus auf einen zuzukommen. Überhaupt kann man sich auch immer superleicht auf der Straße durchfragen; wenn einer nicht kennt, was man sucht, dann bringt er dich zu jemandem, von dem er denkt, dass der es kennt. Dieses Informationsnetzwerk funktioniert immer! (Besser als Internet oder Maps in Indien)

Kurzbeschreibung zur Hochschule/Einrichtung...

Das NID ist eine grüne Insel inmitten einer lauten und turbulenten Millionenstadt. Innerhalb der Campusmauern ist eine andere Welt. Man ist innendrin sicher und von massig Guards bewacht; indische Designstudenten haben eine recht moderne und weltoffene Einstellung, tragen teils knappe Kleidung und haben Beziehungen (statt arrangierten Ehen); direkt auf der anderen Seite der Mauern leben die ärmsten Menschen in selbst zusammengebastelten Hüttchen, die gar nicht ahnen, dass so etwas wie "love marriage" existiert.

Tätigkeiten / Inhalte / Lehrveranstaltungen deines Praktikums / Studiums /etc.

Ich hatte mich entschieden, Exhibition and Spatial Design zu studieren, durfte mir dann aber vor Ort meinen Stundenplan aus verschiedenen Disziplinen frei zusammenstellen, solange die Kurse zeitlich miteinander vereinbar waren. Am NID gibt es Blockkurse, sodass man immer nur an einem Entwurf auf einmal arbeitet; das geschieht dann aber auch sehr intensiv: Oftmals beginnt man morgens um 9 Uhr, weil die Werkstatt begrenzte Öffungszeiten hat, und neben kurzen Mittag- und Abendessenspausen arbeitet man dann durch bis nachts um 4. Ein bisschen gilt dort tatsächlich das Motto: Viel Arbeit ist gute Arbeit. Und natürlich hängt es auch immer davon ab, wie viel Herzblut man in sein Projekt steckt.
In Exhibition Design haben wir in den meisten Kursen, die ich gewählt hatte, praktisch gearbeitet; das NID lehrt nach dem Grundsatz 'learning by doing'. Das war für mich eine unheimlich spannende Erfahrung, die ich so im Studium in Deutschland ein wenig vermisse.
In Scenography haben wir in Vierergruppen räumliche Szenografien aufgebaut, im Materials+Making Kurs zu dritt eine Installation aus einem einzigen vorgegebenen Material und im Design Project, dem großen Hauptentwurf, in Einzelarbeit eine explorative Ausstellung über eine persönliche Erfahrung an einem speziellen Ort.

Es gibt am NID eine tolle Holz- und Metallwerkstatt, in der ich geniale Maschinen kennengelernt habe (die meisten sind aus Deutschland importiert), die einem das Leben leicher machen können. In der Werkstatt gibt es Angestellte, die einem bei Bedarf mit den Maschinen und Werkzeugen helfen, solange jemand mit der Übersetzung von englisch auf hindi hilft (das machen die indischen Studenten sehr gerne, nur auf die Details muss man sorgfältig achten, damit nichts in der Übersetzung verloren geht). Es ist ein unheimlich tolles (und für mich neues) Gefühl, eine Exhibition von Anfang an zu planen, die Materialien zu besorgen, dann sägen, schweißen, nähen, kleben, Feinschliff, bis alles steht und fertig ist; und das hat man alles ganz alleine geschafft.

Wie war der Kontakt zu Kommilitonen/Arbeitskollegen/Einheimischen?

Meine indischen Kommilitonen waren sehr aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit. Sie haben mich sofort in ihre Gruppen aufgenommen, haben sich gefreut, von meiner Seite neue Perspektiven mitzubekommen und waren immer offen und für mich da. Ich habe sie sehr ins Herz geschlossen und hoffe, so viele von ihnen wie möglich nochmal wiederzusehen - entweder in Indien oder in Europa.

Was hast Du in deiner Freizeit gemacht?

Während der Blockkurse gab es keine Freizeit. Auch am Wochenende hat man gearbeitet. Manchmal gab es Feste auf dem Campus, da konnte man dann zwischendurch kurz vorbei, nachdem man von indischen Freundinnen munter in bunte Saris gewickelt worden war. Danach gings dann wieder in die Studios, um Installationen aufzubauen.

Da es mein 7. Semester war, in dem ich im Ausland war und ich ein Jahr vorher schon einige Kurse vorgeholt hatte, musste ich zum Glück nicht die ganze Zeit Kurse belegen, sodass ich zwischendurch immer wieder teils mehrwöchige Lücken hatte, in denen ich immer in verschiedensten Teilen des Landes reisen war. Das ist unbedingt empfehlenswert, weil Indien so unglaublich vielseitig ist und es viel zu schade wäre, nur Ahmedabad zu kennen. Andererseits war es natürlich auch nicht gerade entspannend, da Reisen eben (vor allem in Indien) einfach kein Urlaub ist, und ich so kaum Zeit hatte, zwischendurch mal runterzukommen.

Nach meiner Rückkehr

Fazit und besondere Erlebnisse

Ich bin sehr zufrieden mit meinem Auslandssemester in Indien. Da ich in den Jahren zuvor schon vier Monate während einer Freiwilligenarbeit in einem südindischen Dorf gelebt hatte und zwei Jahre später fünf Wochen durch Nordindien gereist war, hatte ich schon einen recht guten Eindruck vom Land und wurde deshalb vor Ort nicht großartig (negativ) überrascht, wie es einigen Austauschstudenten passierte. Indien ist ein anspruchsvolles Land, das einen jedes Mal erneut an seine Grenzen und auch ein wenig darüber hinaus bringt, was einen dann aber eben stärker macht. Deshalb bin ich auch über jede negative Erfahrung dankbar, die ich gemacht habe.
Ich würde jederzeit wieder ein Auslandssemester machen, sogar nochmal in Indien (auch wenn ich mich zwischendurch selbst dafür verfluchen würde, wenn ich wieder bei 48 Grad zur Materialakquise durch staubige, laute Großstadtstraßen hetzen würde).
Kulturell ist es ein großer Schatz, den man sich vor Ort erarbeitet und auch inhaltlich schätze ich mich sehr glücklich, andere Arbeits- und Denkweisen kennengelernt zu haben. Die Inder arbeiten und denken weniger industrialisiert und handfester; in Prozessen, die näher an der Realität sind als bei uns.
Und ja nicht verzweifeln: Immer und überall in Indien heißt es 'sab kuch milega' - alles ist möglich. Und es ist wahr.

Wie klappte es mit der Anerkennung der Leistungen für das Studium an der HsH?

Das ist noch nicht durch, mal sehen...

Welche weiteren wichtigen Hinweise hast Du für zukünftige Studierende?

Auch wenn die indische Bürokratie von Anfang bis Ende unglaublich nervenaufreibend und teilweise komplett unnachvollziehbar ist (ich habe mich mehrfach mit Türstehern vor dem Computerraum oder der Bibliothek angelegt, weil man tausende Dinge nicht mit reinnehmen darf, die man drinnen bräuchte, ohne Grund!): Viele Dinge muss man tatsächlich einfach akzeptieren, wie sie sind; es hilft für sich selbst nichts, sich auch darüber noch aufzuregen.
Einfach so entspannt wie möglich bleiben, meditieren und Yoga machen (ohne Scherz! Man braucht ganz unbedingt ein klein wenig Zeit für sich selbst, um nicht durchzudrehen. Auf dem Campus ist man nirgends allein und auch nachts in seinem Zimmer nicht. Da muss man sich aktiv drum kümmern, sich ab und zu seine Blase aufzubauen.)
Und: Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.

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