Erfahrungsbericht: Auslandssemester Südkorea

Der Gwanggyo Lake in Suwon bei Nacht
Der Gwanggyo Lake in Suwon bei Nacht
Aussichts- / Meditationspunkt beim Naksansa Tempel bei Sokcho
Aussichts- / Meditationspunkt beim Naksansa Tempel bei Sokcho
Der Seongsan in Jeju
Der Seongsan in Jeju

Allgemeine Daten

01.03.2022 - 30.06.2022
Südkorea
Suwon
World cup-ro 206

Art des Aufenthalts

Praktikum Auslandssemester Kurzaufenthalt Abschlussarbeit

Hochschule / Betrieb im Ausland

Ajou University

Fachrichtung des Betriebs

Private Universität (Technik, Wirtschaft, Medizin,...)

Studiengang

Mechatronik (Electical and Computer Engineering)

Vor meiner Abreise

Wie war die Praktikums- / Studienplatzsuche?

Nach einer Bewerbung an der HsH für das Austauschsemester wurde ich an der Ajou University nominiert. Hierzu waren einige Dokumente notwendig und es wurde ein kleines Interview geführt. Danach musste ich mich nochmal persönlich schriftlich bei der Ajou University vorstellen. Dank der Partnerschaft zwischen HsH und Ajou University war das Bewerbungsverfahren relativ einfach.

Wie war die Zimmer-/Wohnungssuche?

Leicht Mittel Schwer

Meine Unterkunft war...

von Privat Studentenwohnheim Eigene Wohnung Wohngemeinschaft

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft

Anfang 2022 waren die Infektionsmaßnahmen in Korea noch strenger, sodass jeder Einreisende eine einwöchige Quarantäne vollziehen musste. Dafür bin ca. zwei Wochen vor Semesterbeginn in Korea angereist. Etwa eine Woche vor Semesterbeginn kann man bereits in das Wohnheim, allerdings musste das Quarantänehotel selbst bezahlt werden.

Für die Unterbringung im Semester konnte man sich bei der Bewerbung (in einem online-Portal) zwischen zwei Wohnheimen auf dem Campus, der Hwahong Hall und dem neueren International Dormitory, entscheiden. Ich habe letzteres gewählt und kann es trotz höherem Preis weiterempfehlen. Hier teilt man sich zu zweit ein Zimmer. Es gibt Gemeinschaftsküchen und -bäder. Es wird auch täglich gereinigt und man fühlt sich wohl. Beide Wohnheime beinhalten meines Wissens ein Fitnessstudio. Jedoch hatte zur Zeit meines Aufenthalts und dem Feedback der Hwahong Hall-Bewohner nach nur das International Dormitory vernünftige Klimaanlagen in den Zimmern.
Interessant zu erwähnen ist, dass im Wohnheim strikt nach Geschlecht getrennt wird. Männer und Frauen haben ihre eigenen Stockwerke und geschlechterübergreifende Besuche im Wohnheim sind streng verboten. Es gibt im hier sogar ein Strafpunktesystem, welches im schlimmsten Fall zum Ausschluss aus dem Wohnheim führen kann.

Finanzen und Versicherungen

Welche Versicherungen hast Du vor der Reise abgeschlossen?

Kranken- und Haftpflichtversicherung
Reiseversicherung
Unfallversicherung

Möchtest Du etwas zu den Versicherungen anmerken?

Jeder Austauschstudent wird bei der nationalen Krankenversicherung NHIS angemeldet und es werden monatliche Beträge fällig. Soweit ich weiß, deckt die Krankenversicherung pauschal 60% der Behandlungskosten ab, aber informiert euch lieber nochmal. Man kann sich schließlich auch von dieser Krankenversicherung befreien lassen, wenn man eine mindestens gleichwertige Krankenversicherung vorweisen kann. Dieser Prozess soll laut meiner Kommilitonen kompliziert sein.
Ich habe zugegebenerweise nie von der Versicherung Gebrauch gemacht.

Wie lief es mit den Finanzen?

Es war sehr hilfreich, dass mir ein PROMOS-Stipendium gewährt wurde, für welches man sich bei der Bewerbung an der HsH gleich mitbewirbt. Allerdings empfehle ich trotzdem, einige weitere tausend Euro erspart zu haben.
Finanziell gesehen war es ein Fehler, meinen Rückflug nicht im Vorhinein gebucht zu haben. Durch den Kriegszustand zwischen Russland und der Ukraine ging kein Flug mehr über die betroffenen Länder und auch durch die steigenden Energiepreise explodierten die Flugpreise. Von daher empfehle ich, sich vorher gut zu überlegen, ob die Flexibilität bei der Rückreise das Risiko wert ist.
Ich personlich bin viel durch Korea gereist, bin oft mit Freunden ausgegangen und auch kulinarisch wollte ich keine Gelegenheit missen. Je nachdem was man tut, kommt man also mit einem Betrag im mittleren oder höheren vierstelligen Bereich zurecht.

Ich hatte oft Probleme mit meiner Mastercard von der Sparkasse. Oft wurde diese abgelehnt, was für frustrierende Momente gesorgt hat. Meiner Erfahrung nach haben die DKB-Visa-Karten anderer Austauschstudenten einwandfrei funktioniert. Ich selbst habe auf Empfehlung eines anderen Austauschstudenten auf eine Visa-Debitkarte von Revolut gewechselt, welche allermeistens akzeptiert wurde. Für alle anderen Fälle sollte man immer etwas Bargeld zur Hand haben.

Art der Finanzierung

Stipendium
Eltern/Familie
Ersparnisse
Darlehen
BaföG

Wie waren die Lebenshaltungskosten?

Die Lebenshaltungskosten sind vergleichbar mit Deutschland. Wenn man in der Mensa essen geht oder man doch öfter außerhalb essen geht, wirkt sich wie hierzulande auch auf die Ausgaben aus.
Allerdings sind die Preise für einige Lebensmittel im Supermarkt deutlich höher als in Deutschland.
Dienstleistungen und öffentliche Verkehrsmittel sind deutlich günstiger. Taxis habe ich in vergleich zu Deutschland häufig genutzt, da diese auch sehr günstig und per App einfach zu organisieren waren.

Unterkunft im Monat (ca.)

250€

Verpflegung im Monat (ca.)

250 - 400€

Freizeit im Monat (ca.)

200+€

Sonstiges

Tuberkulosetest ca. 80€, eventuelle einmalige Anschaffungen für das Wohnen im Wohnheim z.B. Küchenwaren oder vernünftiges Bettzeug.

Während meines Aufenthalts

Die üblichen Formalitäten...

Die Ajou University verlangt einen negativen Tuberkulose-Test, welcher bei der Bewerbung und bei Anreise im Studentenwohnheim verlangt wird. In Deutschland wurde ich beim Arzt verwundert angeguckt, als ich nach dem Test gefragt hatte.

Alle Studenten (und allgemein Ausländer, die länger als 90 Tage in Korea bleiben) müssen eine Alien Registration Card, eine Art Ausweis beantragen. Bis der Antrag bearbeitet und das Dokument in den eigenen Händen ist, vergehen schon gerne Monate (meine Karte habe ich erst im Mai erhalten). Bis dahin kann der Reisepass als Ersatzdokument für die meisten Angelegenheiten verwendet werden.

Kurzbeschreibung zur Hochschule/Einrichtung...

Die Ajou University hat einen Campus, auf dem fast alles, was zum Studienalltag gehört, vorhanden ist. Neben Hörsälen, Mensen und Bibliothek sind auch Wohnheime, umfangreiche Sportanlagen und sogar ein (renommiertes) Krankenhaus und ein Bestattungsgebäude auf dem Campus. Sogar einige Convenience Stores, in denen man die nötigsten Alltagswaren findet, gibt es vermehrt auf dem Gelände.

Tätigkeiten / Inhalte / Lehrveranstaltungen deines Praktikums / Studiums /etc.

Meine Lehrveranstaltungen waren zu Beginn allesamt online (was das Reisen zu der Zeit sehr erleichtert hat). Die meisten Kurse sind nach und nach zum Präsenzbetrieb übergewechselt.
Der tägliche Stundenplan ist in 90 Minuten-Blöcke mit jeweils 75 min Vorlesung aufgeteilt. Angenehmerweise startet der Vorlesungsbetrieb täglich erst um 9 Uhr morgens. :)
Die Prüfungsleistungen an der Ajou haben sich im Gegensatz zu den allermeisten Prüfungsleistungen der Fakultät 1 der HsH nicht nur auf eine Klausur am Ende des Semesters beschränkt. In jedem Fach gab es Mid-Term und Final-Term Exams, also wurden Klausuren jeweils zur Halbzeit des Semesters und am Ende geschrieben. Abhängig vom Dozenten werden gerne regelmäßig weitere Hausaufgaben vergeben, mit denen man Punkte sammeln kann.

Wie war der Kontakt zu Kommilitonen/Arbeitskollegen/Einheimischen?

Obwohl in den englischen Kursen, die die Austauschstudenten belegt haben, auch Koreaner waren, habe ich mich in studienbezogenen Angelegenheiten eher an andere Austauschstudenten gehalten.
Die allermeisten Kontakte zu Koreanern habe ich über die Clubaktivitäten an der Universität geknüpft. Hierzu kann ich vor allem den "English Conversation Club AJESS" und den Friends Club empfehlen, da diese auf ein internationales Kennenlernen abzielen.

Was hast Du in deiner Freizeit gemacht?

In der ersten Hälfte des Semesters bin ich viel in Korea herumgereist. Dazu haben sich über die große Austauschstudenten-Chatgruppe relativ einfach Reisegruppen gefunden. Dementsprechend war ich in der ersten Zeit gänzlich unter anderen Austauschstudenten.
Korea ist ein sehr gebirgiges Land, sodass Wanderbegeisterte durchaus auf ihre Kosten kommen. Also gerne Wanderschuhe einpacken!
Kurztrips in Suwon und in nahe Städte sind bezüglich Transportkosten sehr erschwinglich! Nach Seoul zum Beispiel kommt man von der Ajou University aus in einer Stunde mit dem Bus, was nur ca. 2,50€ kostet.

Sehr hervorzuheben sind die studentisch größtenteils selbstverwalteten Clubs an der Universität. Diese haben das Studentenleben erst richtig lebendig gemacht. Seien es gesellschaftliche Clubs (AJESS, Friends Club), Sportclubs, Musikclubs, etc.. Es gab sogar einen MeowMeow-Club, welcher sich um die campuseigenen Katzen kümmert. Campusfestivals, bei denen die Clubs aktiv mitwirken, zierten das Gelände mehrmals im Semester.
Gegen Anfang des Semesters findet eine festivalähnliche Clubvorstellung auf dem Campus statt. Hier könnt ihr euch an verschiedenen aufgebauten Ständen der Clubs über die Aktivitäten erkundigen und euch für die Mitgliedschaft eintragen. Verpasst nicht die Anmeldefrist, welche danach relativ schnell vorbei ist!
Ich persönlich war neben AJESS und Friends Club noch im Squash-Club.

Nach meiner Rückkehr

Fazit und besondere Erlebnisse

Das Campusleben hat mir am Auslandsaufenthalt am meisten gefallen. Man hat hunderte internationale Studenten um sich und alle sitzen quasi im selben Boot. Nie zuvor war es so einfach, Leute zum Ausgehen und Verreisen zu finden und Freundschaften zu schließen.

Was die Lebensweise der Koreaner selbst angeht, scheinen sie überwiegend und in ihr Smartphone vertieft. Wenn sie nicht gerade auf dem Campus leben, leben Sie oft in an Wolkenkratzer erinnernden Wohnkomplexen. Durch die konzentrierten Menschenmengen sind die Städte wesentlich belebter als bei uns. Cafés und Restaurants gibt es an jeder Ecke und Gebäude mit verschiedenen Geschäften auf jeder Etage prägen oft das Stadtbild.
Rücksichtnahme und Respekt vor dem Alter sind wichtige Werte in Korea. In Bus und Bahn wird nicht geredet, um den Mitmenschen ihre Ruhe zu lassen. Ältere Kommilitonen werden je nach Geschlecht mit unterschiedlichen Titeln angesprochen, selbst wenn die Differenz nur ein Jahr ist, ist die Respektsperson in jeder Interaktion klar.
Außerdem scheint das Land familienorienterter und traditionelle Rollenbilder sind noch immer sehr dominant. Junge Männer werden noch in den Wehrdienst eingezogen, was sogar mitten im Studium passieren kann und den Abschluss erheblich verzögert. Und sonst bleiben junge Menschen generell bei ihren Eltern wohnen bis sie heiraten oder fest im Berufsleben stehen.

Ich kann nur empfehlen, Kontakt zu den Koreanern zu knüpfen, sonst verpasst man was! Unter ihnen habe ich viele liebenswerte, fleißige, und tatenfreudige Menschen kennengelernt und viele Orte und Aktivitäten wären ohne sie an mir vorbeigegangen.

Wie klappte es mit der Anerkennung der Leistungen für das Studium an der HsH?

Das Transcript of Records, auf dem die erzielten Ergebnisse des Semesters dokumentiert sind, wird von der Ajou University an die HsH gesandt.

Welche weiteren wichtigen Hinweise hast Du für zukünftige Studierende?

Soweit auch nur ein geringes Interesse an einem Auslandsaufenthalt besteht, dann bewerbt euch. Der organisatorische Aufwand und die Hinreise sind kein Vergleich für die unbezahlbaren Erfahrungen, die man durch ein Austauschsemester macht. Mein Nach-Korea-Ich würde meinem Vor-Korea-Ich jede Zweifel austreiben. :)

Wie wirkt sich dein Aufenthalt auf den weiteren Werdegang und die Pläne für weitere Auslandsaufenthalte aus?

Ich habe durch das Auslandssemester das Reisen für mich entdeckt. Und Dank der vielen und engen neuen Kontakte nehme ich mir definitiv vor, irgendwann nach Südkorea zurückzukehren. Sei es beruflich, freizeitlich oder irgendwas dazwischen.
Darüber hinaus ist es toll, Kenntnisse über ein weiteres Land, seine Kultur und Sprache zu haben.

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Südkorea