‘keep calm and wash your hands’
#Europa #Großbritannien #Aberdeen
Im Sommersemester 2020 bin ich mit Erasmus+ an die Universität Vic in Katalonien (Spanien) gegangen. In Hannover studiere ich im Master Milch- und Verpackungswirtschaft. Die Uni Vic ist eher klein und das Kursangebot ist nicht so vielfältig, weshalb ich auch fachfremde oder fachlich etwas weiter entferntere Kurse (z.B. interkulturelle Kommunikation oder Ernährung in Krisensituationen) belegt hatte. Aber dies erweitert den Horizont und ich war mit meiner Fächerwahl sehr zufrieden. Einige Kurse werden auf Englisch und andere auf Katalanisch angeboten. Da ich zwar Spanisch spreche, aber kein Katalan, habe ich mich entschieden, nur englische Kurse zu belegen. Die katalonischen und spanischen Studenten sprechen häufig nicht so gut Englisch, weshalb in vielen englischen Kursen der Erasmus-Anteil sehr hoch sein kann (bis zu 100 %). Die Universität ist modern ausgestattet, die Gebäude sind neu und sie bietet viele Möglichkeiten zum Kontakteknüpfen auch außerhalb der Vorlesungen. Die Kurse sind im Vergleich zu Modulen in Hannover vom Niveau her etwas einfacher, jedoch müssen viele Leistungsnachweise (bewertete Hausaufgaben, kurze Referate etc.) erbracht werden und teilweise wird auch die Anwesenheit kontrolliert. Die Betreuung von Seite der Uni Vic ist sehr freundlich und flexibel. Es gibt nichts, das ich dort vermisst hätte. Zu Beginn wurden sogar einige Kennenlernaktivitäten angeboten.
Mit der Zeit hat sich eine richtige Gemeinschaft aller Erasmus-Studenten gebildet. Fast jeder kennt jeden (ca. 60 Personen). Die größte Gruppe waren sicherlich die Niederländer, aber auch viele Deutsche, Italiener und andere aus Europa haben in Vic einen Austausch gemacht. Von außerhalb Europas waren es nur eine Handvoll Nordamerikaner und Ostasiaten. Ich habe im Wohnheim Uvic gewohnt, in einem Doppelzimmer mit einer gleichaltrigen Studentin aus Italien, die ich vorher nicht kannte, mit der ich mich aber hervorragend verstanden habe. Die Stadt Vic ist klein, aber sehr schön. Die Nähe zu Barcelona ist sehr praktisch und eröffnet viele Möglichkeiten. Ich habe die Wochenenden genutzt, um in Barcelona mit neuen Freunden Sightseeing zu machen und diese spannende Großstadt zu erleben. Ausflüge nach Madrid und Südfrankreich über zwei verlängerte Wochenenden habe ich mir ebenfalls nicht entgehen lassen. Zum Glück habe ich bereits am Anfang viel gesehen, denn dann hat uns leider nach nur acht Wochen die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Spanien war von der Corona-Krise in ganz besonderem Maße betroffen. Zu Beginn haben sich auf dem Campus viele Gerüchte verbreitet (z.B. „ab morgen gibt es keinen Nahverkehr mehr“, „die Uni schließt übermorgen“, „zwei Studenten sind krank“ etc.), bevor man offizielle Informationen von der Universität erhalten konnte. Zu einer zuverlässigen Informationsquelle wurde der Betreiber der „Erasmus“-Bar, der Texte aus den örtlichen katalanischen Medien übersetzen konnte und aktuelle Entwicklungen immer schnell per WhatsApp an alle Austauschstudenten weitergab. Denn auch mit guten Spanischkenntnissen kann man katalanische Artikel zwar grob verstehen, jedoch nicht mit allen Details. In einer Fremdsprache ist auch die Seriosität von Nachrichten meiner Erfahrung nach deutlich schwieriger zu bewerten als auf Deutsch. Bereits vor Schließung der Universität wurden zwei Orte in der näheren Umgebung (ca. 30 km entfernt) komplett abgeriegelt, mit gesperrten Straßen an den Ortsausgängen. Dies hat bei allen zu einer großen Unsicherheit geführt und viele hatten auch schon vor der offiziellen Mitteilung der Uni, dass diese geschlossen wird, ihre Heimreise geplant.
Genau einen Tag, bevor die sehr weitreichende Ausgangssperre in ganz Spanien griff, habe ich einen Rückflug genommen, den ich keine 48 Stunden vorher gebucht hatte. Da unklar war, ob der Nahverkehr zum Flughafen Barcelona am Sonntag fahren würde (Gerüchte!), hatte ich mich bereits am Vortag auf den Weg nach Barcelona gemacht und noch eine Nacht im Hostel verbracht. Die Stimmung in der Metropole war absolut gespenstisch - auf dem Weg zum Flughafentransfer bin ich mitten am Tag über die komplett leere Plaça Catalunya gelaufen, einen der sonst belebtesten Plätze Barcelonas.
Ich hatte mein Wohnheimzimmer leergeräumt und alles mitgenommen, falls eine Rückkehr unmöglich wird. Erst 3 Wochen später wurde entschieden, dass die Uni Vic erst wieder zum Wintersemester öffnet und wir Erasmusstudenten nicht zurückkehren werden. Einige haben noch ihr gesamtes Hab und Gut vor Ort. Leider räumt das Wohnheim Uvic den Erasmusstudenten, die nun zurück in der Heimat sind und nicht zurückkehren können, kein „Sonderkündigungsrecht“ ein. Bei Kündigung wird die Kaution einbehalten. Andere Studenten haben vieles auf sich genommen, um nach Hause zurückzukehren. Eine Gruppe italienischer Studentinnen ist sogar, da es keine Flüge mehr gab, von Barcelona nach Rom 20 Stunden mit der Fähre gefahren.
Nun, zurück zuhause, lerne ich online weiter. Die Kurse werden auf Plattformen wie moodle, zoom und MS Teams weitergeführt. Hiermit gibt es keine Probleme, die Uni ist digital gut aufgestellt. Ich habe bereits sogar Teilprüfungen online abgelegt und Präsentationen gehalten. Somit gehöre ich wohl zu den wenigen Studenten, die erzählen können, sie hätten ein Auslandssemester teilweise von zuhause aus gemacht. Alles in Allem bin ich aber trotzdem froh, zumindest für kurze Zeit die Auslandserfahrung gemacht zu haben und halte weiterhin Kontakt mit den neugewonnenen Freunden.

Spanien
#Europa #Großbritannien #Aberdeen
#Europa #Irland #Carlow
#Europa #Frankreich #Paris