Erfahrungsbericht: Auslandssemester Spanien

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#Europa #Spanien #San Cristobal de La Laguna

Allgemeine Daten

17.01.2026 - 28.06.2026
Spanien
San Cristobal de La Laguna
Pabellón de Gobierno, Calle Padre Herrera s/n

Art des Aufenthalts

Praktikum Auslandssemester Kurzaufenthalt Abschlussarbeit

Hochschule / Betrieb im Ausland

Universidad de La Laguna

Studiengang

Soziale Arbeit

Vor meiner Abreise

Warum hast du dich für das Praktikum / den Studienplatz entschieden?

Ich habe mich für das Praktikum / den Studienplatz entschieden, weil ich durch Familienangehörige die bereits ein Erasmus auf Teneriffa gemacht haben, mir dies sehr empfohlen haben. Um ehrlich zu sein, war mein ursprünglicher Wunsch ein Erasmus in Großbritannien zu machen. Da es jedoch an meiner Fakultät keine Partnerhochschule gibt und eine eigene Organisation für mich persönlich mit viel Unsicherheit geprägt war, habe ich mich ohne viel darüber nachzudenken für die Universidad de La Laguna entschieden. Da ich sehr gerne am Meer bin und eine kleine Schwäche für Meeressäuger habe, hat mir die Vorstellung auf einer Insel im Atlantik zu studieren enorm. Außerdem wollte ich gerne mehr über die Asylpolitik auf den Kanaren erfahren, da diese zu den häufigst angesteuerten Fluchtzielen von dem afrikanischen Kontinent nach Europa, gehören. Die Route über den Atlantik gehört zu den lebensgefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Es war mir wichtig mehr darüber zu lernen und das vor allem aus nächster Nähe (zumindest im Vergleich zu Deutschland). Mein weiteres (politisches) Interesse an einem Erasmus in Spanien galt der Politik von Geschlechtergewalt. Spanien gilt als Vorreiter und ich wollte wissen, wie das Rechtssystem Frauen* in Spanien zu schützen versucht.

Wie war die Zimmer-/Wohnungssuche?

Leicht Mittel Schwer

Meine Unterkunft war...

von Privat Studentenwohnheim Eigene Wohnung Wohngemeinschaft

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft

Da ich eine eigene Wohnung zusammen mit meinem Partner, der auch auf Teneriffa studiert hat, gesucht habe stellte sich die Suche als etwas schwieriger heraus. In verschiedenen Whats App Gruppen wurden stets WG-Zimmer ausgeschrieben, wir haben jedoch über eine Immobilien-Seite nach einer Wohnung suchen müssen (als würde man ganz normal eine Wohnung mieten). Es gibt einige Angebote die nur befristet (meist ab 6 Monaten) sind. Wir haben mit vielen Vermietern bzw. Maklerfirmen per Whats App kommuniziert, das war zunächst ein bisschen befremdlich. Wir hatten auch mehrere Online-Besichtigungen. Letztendlich mussten wir aber darauf vertrauen, dass wir nicht gescammed werden (das blieb bis zur Ankunft spannend). Aufgrund der Campus Nähe wollten wir gerne in La Laguna - und nicht in Santa Cruz wohnen. Da die Stadt jedoch in knapp 500 m höhe und direkt am Anaga Gebirge liegt, ist es dort um einiges frischer als am Meer. Das bedeutet leider auch eher kalte Wohnungen mit vielen fliesen und keiner Heizung. Da das Frühjahr 2026 zu den kältesten der letzten Jahre gehört, war es deswegen vor allem die ersten zwei Monate in der Wohnung kalt. Auch in der Stadt weht oft ein starker Wind, der alles abkühlt. Unsere Wohnung lag direkt an einem der beliebtesten Plätze La Lagunas und war somit sehr zentral. Das war nicht nur für die nahe Anbindung an den Busbahnhof und die Tram praktisch, sondern hat die doch häufig kühlen Abende durch das bunte Stadtleben angenehmer gemacht. Aber wie gesagt, dieses Jahr war das Wetter auf Teneriffa besonders schlecht, gegen Ende wurden es jedoch auch in La Laguna angenehme 20-23 Grad. Daraus habe ich gelernt: Auf Teneriffa immer für jedes Wetter bereit sein. Durch die naturelle Vielfalt machen zehn Minuten mit dem Bus einen enormen Unterschied ob du deine Regenjacke oder doch eher eine kurze Hose brauchst :)

Tipps und Tricks

Ich würde auf jeden Fall für die Wohnungssuche in die AEGEE und die Erasmus Life Tenerife WhatsApp- Gruppen gehen und dort entweder nach Wohnungsanzeigen Ausschau halten oder direkt fragen. Viele WG-Vermieter sind in diesen Gruppen um sich mit den neuen Erasmus-Studis zu connecten.
Unseren Weg würde ich nicht unbedingt empfehlen, wir haben im Endeffekt sehr viel Miete, Maklergebühr und zusätzliche Nebenkosten zahlen müssen. Von Freund*innen habe ich jedoch von sehr zugewandten und fairen Vermieter*innen spezifisch für Erasmus Studierende gehört!

Finanzen

Wie hat es mit der Finanzierung geklappt?

Ich wurde durch die Erasmus+ Förderung (ohne Top Up) finanziell unterstützt, jedoch hätte dies ohne Eigenzuschüsse keineswegs ausgereicht. Das lag vor allem an meiner Miete, jedoch auch daran, dass ich während meines Aufenthaltes keinen Nebenjob ausgeführt habe und das Leben auf Teneriffa nicht deutlich günstiger ist als in Deutschland. Dennoch hat mir die Förderung ermöglicht, für Ausflüge ein Auto zu mieten / in Bars zu gehen / etc. Für mich war sie also eine sehr schöne Ergänzung, die mir mehr Freizeitaktivitäten auf der Insel ermöglicht hat

Art der Finanzierung

Stipendium
Eltern/Familie
Ersparnisse
Darlehen
BaföG

Während meines Aufenthalts

Kurzbeschreibung zur Hochschule/Einrichtung...

Ich habe an der Universidad de La Laguna an der Fakultät der Sozialen Wissenschaften, Journalisitik und Psychologie Soziale Arbeit studiert. Im Vergleich zu der HsH, insbesondere der Fakultät 5, ist die ULL sehr verschult: es gibt Hausaufgaben ähnliche Abgaben, Anwesenheitslisten (wenn man die kontinuierliche Bewertung macht), frontal Unterricht und die benotung abhängig von mündlicher und schriftlicher Teilnahme an den Kursen.
Leider muss ich ehrlich sagen, dass mir die Universität sowohl von den wissenschaftlichen Standards aber besonders von der Organisation und der Einstellung gegenüber Erasmus Studierenden nicht wirklich gefallen hat. Das lag vor allem an der administrativen Ebene der ULL. Der Welcome-Day für Erasmus Studierende fand erst zwei Wochen nach Semester beginn statt. Dadurch ging es vielen von uns ähnlich damit, dass diese erste Zeit ein wenig isolierend war. Wenn man zufällig in einer der oben genannten WhatsApp-Gruppen war wurden dort zwar sehr viele Freizeitangebote beworben, diese waren jedoch Universitäts unabhängig (in vielerlei Hinsicht auch ein Vorteil). Nicht jedoch, wenn man sich die ersten Wochen durch die spanische Bürokratie und die der Universität kämpfen muss. Am offiziellen Tag des Semesterbeginns wurde von uns erwartet in den Kursen zu sein. Auch wenn wir uns den Campus bereits ein paar Tage vorher angeschaut haben, war der erste Tag etwas wuselig. Es war schwer Räume zu finden, Kurse fanden gar nicht statt etc. Wir sind dann in das Sekretariat unserer Fakultät als auch dem Büro unserer Erasmus Beauftragten gegangen, da wir Hilfe brauchten. Wir haben uns dort jedoch mit unseren Ängsten und Sorgen nicht gesehen gefühlt. Uns wurde gesagt, dass keine Zeit sei uns zu helfen. In diesem Moment hätten wir vor allem ein „Schön, dass ihr da seid“ gebraucht. Stattdessen fühlten wir uns fehl am Platz.
Ich hätte mir hier sehr gewünscht, dass es von der ULL tatsächliche Einführungstage gibt, die uns willkommen heißen und uns vor allem das System der Universität erklären bzw. die wichtigsten Punkte auf unserer To Do Liste (Beantragung der Residenz und des Wohnsitz / Campus-Tour / kennenlernen untereinander).

Dennoch gab es auch positive Aspekte der Universität. Meine Professor*innen waren sehr freundlich, engagiert und wertschätzend. Wenn ich im Unterricht fragen hatte, konnte ich immer persönlich das Gespräch mit ihnen suchen und auch im Bezug auf meine Spanisch Kenntnisse, haben sie mich stets dazu ermutigt, mich zu beteiligen und sich Zeit dafür genommen. Dass war eine sehr schöne Erfahrung!!! Auch als ich durch persönliche Gründe für kurze Zeit zurück nach Hannover musste, haben sie sehr viel Verständnis gezeigt und auf meine Situation Rücksicht genommen.

Tätigkeiten / Inhalte / Lehrveranstaltungen deines Praktikums / Studiums /etc.

Ich habe insgesamt vier Veranstaltungen zum Thema Geschlechter- und Gleichheitspolitiken, Mediation, Migration und kulturelle Vielfalt sowie familiäre Gewalt belegt. Diese fanden jeweils an einem Tag von 8.30 - 12.30 Uhr mit einer 30 min Pause statt. In all diesen Kursen habe ich die kontinuierliche Bewertung mit kleineren Teilklausuren und Gruppenarbeiten gewählt. Vor allem der Mediationskurs war durch wöchentliche Abgaben und kontinuierlicher Gruppenarbeit zeitaufwendig. Dafür war es aber auch mein Lieblingskurs, da die Professorin sehr abwechslungsreiche Methoden zum Lehren genutzt hat. Wir haben theoretisches Wissen viel in Rollenspielen ausprobiert und sie hat ihren Frontalunterricht durch ihre Begeisterungsfähigkeit spannend gemacht. Ich musste ein paar Texte lesen, dazu Fragen beantworten, Präsentationen in der Gruppe Halten und insgesamt zwei Teilklausuren pro Fach schreiben. Die Klausuren waren jedoch sehr fair und meist zum Ankreuzen, dadurch war das schwierigste an diesen das ganze zu übersetzen, nicht jedoch der Inhalt.

Hast du Tipps für Freizeitaktivitäten?

Die Insel hat enorm viel zu bieten, weshalb ich auf jeden Fall empfehlen würde, mind. Einmal ein Auto mit Freund*innen zu mieten. Vor allem die Nordwestküste ist mit den vielen Bananenplantagen, den Klippen und dem zeitgleichen Blick auf den Teide bemerkenswert. Als Ausflugsziele würde ich zum einen der Punta de Teno empfehlen und dort unbedingt schnorcheln gehen!!! Auch das Anagagebirge ist toll, vor allem um auf die nördliche Seite der Insel (um Taganana herum) zu kommen. In La Laguna war die Bar „La Tropical“ und der Tinto de Verano dort besonders toll um einen schönen Abend mit Freund*innen zu haben. Unterhalb des südlichen Flughafens gibt es tolle Naturschwimmbecken die auch nicht so extreme Wellen haben wie die an der Nordwestküste. Zum Essen sind in La Laguna vor allem „Bodegón Viana“ (typisch kanarische Küche) und Mannamé (Pizza) eine warme Empfehlung.
Aber auch wenn das alles sehr spezifische Empfehlungen sind, kann ich einfach empfehlen kleine Spaziergänge zu machen (auch wenn es ordentlich Steigung gibt). Natürlich lohnen sich die großen Ausflüge auch sehr, aber für mich war der Charme der Insel alle zehn Minuten in einer fast neuen Vegetationszone zu sein, auf das Meer zu schauen und ein paar Runden im Parque Marítimo zu schwimmen:)

Nach meiner Rückkehr

Fazit und besondere Erlebnisse

Als Fazit kann ich sagen, dass Teneriffas Natur zu den atemberaubendsten Dingen gehört, die ich je gesehen habe. Die Vielfältigkeit und Schönheit dieser Insel zumindest in Teilen kennenzulernen, ist für mich ein besonderes Privileg und eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Auch wenn es Zeiten gab, in denen es nicht nur leicht war, bin ich froh darüber, mein Erasmus auf Teneriffa gemacht zu haben. Es lohnt sich, trotz der bürokratischen und akademischen Hürden durchzuhalten und der Insel eine Chance zu geben.
Außerdem habe ich mich dazu entschieden, nicht zurückzufliegen sondern mir drei Wochen Zeit genommen um mit dem Schiff und dem Zug zurück nach Hannover zu reisen. Durch die sog. Residencia (NIE Verde) gab es einen enormen Rabatt für die Fähre, weshalb sich diese einmalige Chance sehr gelohnt hat. Wenn ihr also Zeit und noch Geld aus der Förderung übrig habt, kann ich diese langsame Rückreise sehr empfehlen!!!

Wie klappte es mit der Anerkennung der Leistungen für das Studium an der HsH?

Von Seiten meiner Fakultät (V) läuft die Anerkennung ohne Probleme ab. Meine Ansprechperson ist sehr verantwortungsbewusst und schnell erreichbar, was diesen Prozess erleichtert. Jedoch kann ich aktuell noch nicht sagen, ob mir meine erreichten Credits 1zu1 angerechnet werden können, das war mir jedoch vorher schon klar.
Für die Anrechnung fehlt mir lediglich von Seiten der ULL das Dokument, um damit meine Leistungen zu sichern.

Was würdest du deinen Kommiliton*innen raten?

Bevor du dir eine Wohnung suchst, solltest du dir genau überlegen, ob du lieber in Uni-Nähe und dafür im kühleren La Laguna wohnen möchtest oder ob es eher Sinn macht, weiter runter Richtung Meer zu wohnen. Das ist natürlich abhängig, wie du dein Erasmus gestalten möchtest. Außerdem würde ich versuchen, so schnell wie möglich Kontakt zu anderen Erasmus-Studis aufzunehmen (durch Gruppen/Instagram/ oder sogar über die HsH vor dem Antritt). Dann fühlt man sich nicht so alleine, vor allem im anfänglichen Chaos und durcheinander der ULL.
Egal wie viel sozialer Druck durch das Erasmus auf dir lastet und du angst hast Dinge zu verpassen: Es ist nicht schlimm, wenn du eine Pause brauchst oder merkst, dass die „typischen“ Erasmus Aktivitäten nichts für dich sind. Es wird immer Studierende geben, die „mehr“ Ausflüge oder Partys mitnehmen. Und das ist nicht schlimm. Für mich hatte es einen besonderen Wert, den Alltag auf der Insel zu erleben. Dafür bin ich nicht so viel auf den anderen Inseln gewesen wie andere, kannte aber dadurch vielleicht mehr kleine süße Orte in La Laguna.
Der Versuch mich von diesem Druck zu lösen hat mich mein ganzes Auslandssemester begleitet, aber mit der Zeit ist es mir immer leichter gefallen, eigene Dinge zu unternehmen und mich nicht von den Instagram-Beiträgen der anderen zu beeinflußen.

Wie hat dich dein Aufenthalt weitergebracht?

Zum ersten Mal in meiner akademischen Laufbahn habe ich gezielt geübt, mir weniger Druck zu machen. Obwohl es viele Klausuren und Abgaben gab, habe ich gelernt mit diesem Stress umzugehen und gleichzeitig andere, schöne Dinge auf der Insel zu erleben. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich in dieser Zeit gelernt habe, meinen Fokus auf akademische Leistungen ein wenig zu verschieben, und mir mehr Freiheit für die Erkundung der Insel genommen habe. Natürlich ist mir das nicht immer leichtgefallen, jedoch bin ich in dieser Zeit über mich hinausgewachsen. Durch das Erasmus konnte ich eine freiere und abenteuerlustige Seite an mir entdecken, die ich davor kaum gesehen habe. Es ist total erfrischend, aus seinen Strukturen und seinem Alltag „entrissen“ zu werden und die Möglichkeit zu haben, sich selbst in einem völlig neuen und fremden Umfeld zu entdecken. Das ermöglicht nämlich nach der Rückkehr, seinen Alltag zu überdenken und sich zu fragen, ob man damit zufrieden ist, oder weitere Veränderungen braucht. Das Erasmus hat also nicht nur meine Spanischkenntnisse verbessert, mir neue Freund*innenschaften ermöglicht und mir einen ganz neuen Teil der Welt gezeigt, sondern mir auch die Möglichkeit gegeben, an mir selbst zu wachsen und mir den Raum gegeben, nachhaltige Veränderungen in meinem Leben zu schaffen.

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#Europa #Spanien #San Cristobal de La Laguna

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