Erfahrungsbericht: Auslandssemester Spanien
#Europa #Spanien #La Laguna
21.01.2023 - 04.07.2023
Spanien
La Laguna
Guajara
Praktikum Auslandssemester Kurzaufenthalt Abschlussarbeit
ULL Universidad de La Laguna
Facultad de Economía, Empresa y Turismo
Administración y Dirección/ Turismo
Die Universität ist im Verzeichnis der Hochschule Hannover gelistet.
Ich habe danach das Erasmus Bewerbungsverfahren der Hochschule Hannover durchlaufen.
Leicht Mittel Schwer
von Privat Studentenwohnheim Eigene Wohnung Wohngemeinschaft
Die ersten Tage über habe ich in einem Airbnb verbracht.
Ab Februar habe ich dann in einer 7er WG nahe am Campus Guajara gewohnt.
Die Lage ist etwas außerhalb vom Zentrum La Laguna. Dafür allerdings fußläufig zum Campus für Wirtschaft, Recht, Soziale Arbeit, Journalismus, Sprach- und Kulturwissenschaften.
Mit meiner WG war ich sehr zufrieden, auch wenn meine Mitbewohnerinnen und ich nicht sehr viel gemeinsam unternommen haben.
Wir hatten ein Zweck-WG Verhältnis, da wir alle von der Persönlichkeit verschieden waren und unsere Tagesabläufe recht unterschiedlich ausfielen.
Normalerweise erfolgt die Zusage einer Wohnung direkt über den/die Vermieter*in. WG-Castings, so wie wir es gewohnt sind, gibt es also normalerweise nicht.
Unsere WG bestand primär aus italienischen und deutschen Erasmus Studentinnen.
WG's im Norden von Teneriffa findet man gut über idealista.com.
Achtet einfach auf den Kontakt von Carlos/ Fela. Carlos, der mein Vermieter war, besitzt recht viele Wohnungen in der Gegend und kümmert sich gut um seine Mieter*innen. Ihr könnt ihn einfach anrufen.
Kranken- und Haftpflichtversicherung
Reiseversicherung
Unfallversicherung
Meine gesetzliche Krankenkasse hat ein direktes Angebot für eine Auslandskrankenversicherung bereitgestellt. Das war auch um einiges günstiger als die eigenständigen Auslandskrankenversicherungen. Vielleicht hat deine Krankenkasse ja auch so ein Angebot. Das erspart Kosten und Mühen.
Mit dem ersten Teil der Erasmus- Förderung konnte ich meine Miete von 330 Euro monatlich decken und meine Mitgliedschaft im Fitnessstudio bezahlen (meistens zwischen 30 und 40 Euro).
Wer generell überlegt ein Auslandssemester zu machen, sollte sich über Visa Karten Informieren. Ich habe meine seit langem von der DKB und bin damit zufrieden.
Auf den Kanarischen Inseln habe ich, bis auf Fuerteventura und Lanzarote, die meiste Zeit mit Karte Bezahlt.
In Santa Cruz gibt es einen Schalter der Deutschen Bank, bei der man je nach Visa Karte kostenlos Bargeld abheben kann.
Ansonsten werden beim Abheben an spanischen Geldautomaten Gebühren zwischen 2,80 und 4,50 Euro erhoben.
Stipendium
Eltern/Familie
Ersparnisse
Darlehen
BaföG
330 Euro für 14 qm.€
200-250€
150€
Benzin kostet derzeit um die 1,20/1,30 €/L auf Teneriffa
Uff...darüber könnte ich nun einen Roman schreiben.
Vielleicht sollte ich damit anfangen, dass die Guidelines, die von der Universidad de La Laguna bereit gestellt werden, wenig hilfreich sind.
Unterstützung bei Behördengängen und bei der Polizei zur Registrierung könnt ihr nicht erwarten und existieren seitens der Uni nicht. Generell sind alle Dokumente auf spanischer Sprache auszufüllen.
Ich gebe hier mal eine kurze Übersicht:
Für alle sich länger aufhaltenden Incomings (egal ob du dort ein Praktika machen möchtest oder studieren willst) benötigt es folgendes:
1. Die N.I.E blanco Nummer: Dies ist eine Nummer für ausländische sich in Spanien aufhaltende Personen. Sie ersetzt quasi deine Personalausweisnummer über die Zeit. Um diese Nummer zu beantragen benötigst du Folgendes:
> 1.1 einen Termin auf der Polizeistelle: Der kann hier beantragt werden: https://sede.administracionespublicas.gob.es/pagina/index/directorio/icpplus
>1.2 Wichtig ist, dass du deine nötigen Uniunterlagen/ Erasmusnachweis mitbringst, deinen Personalausweis und eine Kopie davon sowie dieses ERSTE folgende Dokument: https://sede.policia.gob.es/Tasa790_012/ImpresoRellenar
und das ZWEITE Dokument: https://sede.policia.gob.es/portalCiudadano/sede_electronica/extranjeria/EX15.pdf
>1.3 Das Dokument muss ausgefüllt- und das PDF ausgedruckt werden. Damit gehst du VOR! deinem Termin bei der Polizei am besten zur Banca Marcha (am besten Vormittags, denn nachmittags hat die Bank zu und andere Banken tun sich noch schwerer mit der Transaktion) und überweist den Betrag von 9,84€ (Betrag kann ggf. über die Zeit abweichen). Mit der Quittung gehst du dann zu deinem Polizeitermin.
Aktualisierte Infos gibt es hier: https://sede.policia.gob.es/portalCiudadano/_es/tramites_extranjeria_tramite_asignacion_nie.php
2. Empadronamiento: Benötigt man für die Beantragung des Wohnsitzes, sowie den Status "Residencia de Canarias". Erhältlich im Ayuntamiento La Laguna
>2.1 Zunächst musst du dir einen Termin im Ayuntamiento geben lassen. Auch wenn evt. Freunde oder Bekannte sagen, man könne da einfach spontan hinlaufen und sich die abholen- Das funktioniert leider nicht. Das Ayuntamiento hat bis 13:00h offen. Termine sollten daher sehr früh am morgen gebucht werden: https://www.aytolalaguna.es/cita/
Es muss folgendes eingetragen werden:
- Für La Laguna gilt SAC San Augustín
- Certificaciones Padrón de Habitantes
- Certificado de Empadronamiento
Wichtig bei diesem Termin ist, dass man am Eingang nach einer Nummer fragt und folgende Dokumente dabei hat:
-N.I.E Zertifikat
- Wohungs-Vertrag
- ggf. Erasmus+ Bestätigung
- Personalausweis
- Personalausweis
Frag nach dem Online-Account, denn dann erhält man die Unterlagen schneller.
3. Titsa Abono: Deine monatliche Fahrkarte
- tenmas app auf dem Handy runterladen.
- abono beantragen
- Daten ausfüllen und Foto hochladen
- Ort auswählen, wo man die Karte abholen möchte
Achtung: Man benötigt auf jeden Fall das Zertifikat der Empadronamiento und der N.I.E.
Hier gab es bei manchen von uns Probleme, da bereits die Greencard (N.I.E verde) gefordert wurde. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nichts von der Gesetzes Änderung. Bis heute wissen wir nicht, ob N.I.E blanco oder Verde reicht.
4. Matriculación an der ULL
Nach vielen E-mails und Dokumenten, die ich eingereicht habe, erhielt ich ein graues Papier auf dem meine Kurse aufgedruckt waren und einen Betrag von 1,12 Euro den ich per Bank überweisen sollte.
Immatrikuliert war ich erst zwei Wochen nach Kursbeginn. Ich konnte in der Zeit nicht die Moodle Plattform nutzen.
Ich habe zunächst auch kein Passwort für den Campus Virtual erhalten. Das habe ich erst bekommen, nachdem ich weitere fünf Mails an die IT stelle geschickt hatte.
Um Bücher auszuleihen benötigt man einen Studi-Ausweis, den man nicht automatisch bei der Immatrikulation erhält. Dieser muss extra über die ULL app beantragt werden oder am Campus Anchieta abgeholt werden. Dazu braucht man ein Foto.
Auch hier habe ich wieder kein Passwort erhalten, dass ich erst wieder aktiv bei der Stelle erfragen musste, nachdem meine Karte bei der Ausleihe noch gesperrt zu sein schien.
Für alle Art von Fragen an der Uni benötigt es einen Termin, den man vorher auf der Onlineseite der Fakultät beantragen muss. Das ist leider recht nervig. Auch, wenn du auf der Insel angekommen bist: Mache am besten direkt einen Termin für das Sekretariat, um dich anzumelden. Dort erhältst du auch weitere Antworten auf noch offene Fragen.
Die Universität La Laguna befindet sich im Norden Teneriffas und ist mit einer guten Aussicht und einem hübschen Park am Campus Guajara schön gelegen.
Zur Zeit besuchen rund 23.000 Studierende die Uni.
Anscheinend hat sich die Uni auf Astrophysik und Naturwissenschaften spezialisiert, da der Ruf und die Lehre in dem Bereich dort wohl sehr gut seien. Im Gegensatz zu den Wirtschaftsstudiengängen, die sehr chaotisch und eher an eine Schule erinnern: Ausfall von Lehrkräften, intransparentes Bewertungssystem, viele Beschwerden seitens der Studierenden, teils Hausaufgaben, Anwesenheitspflicht, Informationen werden nur teils weitergegeben. Unzählige Whatsapp-Gruppenchats. Für jede "Schulklasse" (Kurs) gibt es anscheinend eine eigene. Als Außenstehende hatte ich keine Ahnung, wie man da hineinkommt. Man muss scheinbar den Kurssprecher finden. Komischerweise wusste niemand von meinen Kommilitonen, wer das war.
Um wirklich das System zu verstehen, müsste man wohl tatsächlich im ersten Semester mit allen gemeinsam anfangen zu studieren. In der Retrospektive haben mir viele Informationen über das Studium und wie man es bewältigt gefehlt. Ich konnte noch nichtmal die passenden Fragen stellen, da das System außerhalb meines Erfahrungshorizonts liegt. Für mich war das Semester eher wie eine Black-Box: Manchmal kamen vereinzelt kleine Informationen, aber ich konnte sie oft nicht einordnen. Das was ich fest weiß, ist, dass es zwei Bewertungsmethoden gibt. Única und Continua. Wo in anderen Studiengängen wirklich die Continua Methode empfehlenswert ist, bin ich mir bezüglich des Studiengangs "Dirección und Administración" recht unsicher, was die einfacher zu bewältigende Methode ist. Letztendlich macht man bei der Continua ein praktisches Projekt über das Semester. Meistens in einer Gruppe. Am Ende folgt ein Ankreuztest über alle Themenbereiche. Die Methode der Única ist eine mehrstündige Klausur mit offenen Fragen.
Ich empfand, dass die Continua im Ansatz eine gute Alternative war. Allerdings scheitert es hier oft an der Teamarbeit mit lokalen Studierenden oder am Ende an den Fragen im Ankreuztest, die oftmals unterschiedlich ausgelegt, verstanden und interpretiert werden. Hilfreich war die App Wuolah, die ich erst Anfang Juni genutzt habe. Hier laden Studierende ihre Mitschriften hoch und alte Klausuren. Probeklausuren seitens der Lehrenden gibt es nicht. Auch gibt es normalerweise keine Aufgaben in den Vorlesungen, die auf die Klausur vorbereiten. Darüber hinaus ist es auch nicht üblich, dass Themen ausgeklammert werden.
Ich habe in meiner Zeit vier Kurse belegt. Davon zwei aus BWL und zwei aus Tourismus. In zwei Kursen wechselten alle zwei Vorlesungen die Lehrkräfte.
Im Bereich BWL kann ich Dirección Comercial empfehlen. Dieser ist inhaltlich passend zu dem Schwerpunkt aus Marketing unserer Hochschule.
In Dirección de Empresas wurde viel über Entscheidungstheorien berichtet (Herzbergs Hygiene Faktoren, Delphi Methode, Ford, Mintzberg und co.). Ich empfand das Modul ganz gut, um einen Einblick in die Theorie zu erlangen. Allerdings weiß ich bis heute nicht, wie man die Modelle in die Praxis umsetzt. Zumal mir einige davon, so wie sie uns vermittelt wurden, auch recht veraltet vorkommen (Stichpunkt: Herzbergs Hygiene Faktoren).
Obwohl der Kurs Inglés Comunicación para Turismo III quantitativ das meiste forderte (Seitenlange Texte übersetzen, Bildanalysen durchführen, E-mails verfassen von Anfragen für Hotelreservierungen, Präsentationen erstellen und halten, Businessplan erstellen etc.), empfand ich den Kurs letztendlich am bereicherndsten.
Den letzten Kurs Dirección de Recursos Humanos (HR) habe ich nicht verstanden. Hier haben wir zwei Mal die Woche 75 Minuten in schnellem Tempo Präsentationsfolien abgeschrieben. Neben den Folien gab es ein Buch. Das Buch hatte wortwörtlich den gleichen Text, wie er auf den Folien stand, nur in anderer Reihenfolge. Da ich oft zu langsam zum Abschreiben war, musste ich noch zwei Stunden in der Bibliothek nachholen. Die Inhalte des Buchen enthielten Infos zu Corporate Designs, Bewerbungsprozessen, Steuerklassen, Werbung und wie man ein Jobprofil schreibt.
Von den Inhalten im Studium konnte ich wenig mitnehmen. Dafür aber umso mehr in Punkten, wie Spontanität, Resilienz, Geduld. Außerdem kann ich nun besser mit Kontrollverlust umgehen, da es so gut wie jeden Tage eine neue Überraschung gab.
Den besten Kontakt hatte ich zu meinen internationalen Freunden im Erasmus Programm. Da es ihnen in der Uni oft ähnlich erging, wie mir, hatten wir ein starkes Mitteilungsbedürfnis und einen Raum, wo wir Sorgen, Ängste und Erfolge teilen konnten.
Zu den Locals hatte ich versucht Kontakt aufzunehmen. Allerdings empfand ich es schwer in Kontakt mit ihnen zu kommen, da diese bereits in festen Gruppen verankert waren und eher zurückhaltend, wenn es um internationale Studierende ging.
Ich hatte das Gefühl, dass meine Kommilitonen lieber unter sich in ihren Gruppen blieben.
Vielleicht sollte erwähnt sein, dass es auf den Kanaren einen großen Teil von Menschen gibt, die Touristen ablehnen und viele Bewohner ( durch den starken Massen-Toursimus) die negativen Konsequenzen tragen müssen.
Wandern, baden, die anderen Inseln bereisen, schnorcheln und im Café Siete Zeit verbringen.
Außerdem haben wir an vielen Volksfesten teilgenommen. Vom zweit größten Karneval der Welt über Fronleichnam und San Juan bis zu den traditionellen Romerías wird viel auf der Insel gefeiert.
Unsere italienischen Freunde haben gerne für unsere Erasmus Familie gekocht. Wir haben viele Rezepte gekocht und probiert. Am Ende hab ich bestimmt genauso viel über die italienische Küche und das Leben in Italien gelernt, wie über das kanarische Leben.
Obwohl ich die Uni selbst nicht weiterempfehlen würde, war das Erasmus Semester super. Die Freunde und die Gruppe, die ich gefunden habe, war eigentlich das beste an dem ganzen Aufenthalt. Mir hat es gezeigt, wie wichtig und mental aufbauend ein starkes Netz an lieben und den richtigen Menschen ist. Das ist eins der Dinge, die ich auf jeden Fall später mit in meine Arbeitsleben nehmen möchte: ein familiäres, diverses, offenes und respektvolles Umfeld.
Ich habe die Credits als erste Praxisphase anrechnen lassen.
Überlegt euch gut, was euch wichtig ist.
Möchtet ihr an einer guten Universität studieren, interessante Kurse belegen und gute Noten schreiben, so werden Leute aus dem Bereich Wirtschaft wahrscheinlich sehr enttäuscht sein.
Falls ihr primär an euren Soft Skills feilen möchtet und an der Umwelt sowie politisch interessiert seid, so bietet die Insel sehr interessante und kontroverse Eindrücke, über die sich gut und kritisch nachdenken lässt (Wasserknappheit, Massentourismus und Überbevölkerung, Supply von Konsumgütern und Infrastruktur, Import und Exportgüter, Energieversorgung, Umwelt- und Küstenschutz, Agrarwirtschaft und Monokulturen bezgl. Bananenanbau etc.).
Nach diesem Auslandsaufenthalt kann ich mir ein weiteres Erasmus+ Semester sehr gut vorstellen. Allerdings eher an einer Uni mit ähnlicheren Strukturen zur Hochschule Hannover.
Dennoch habe ich noch viele Orte auf den Kanaren offen, die ich noch sehen möchte und werde daher bestimmt nochmal eine Zeit auf der Insel verbringen. Außerdem bieten die Kanarischen Inseln viele interessante Forschungsprojekte an.
Auf jeden Fall habe ich noch vor meine internationalen Freunde zu besuchen.

Spanien
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